Südwest Presse Ulm vom 16. Oktober 2009
Rudi Kübler
Schon wieder Preis für Ulmer Volkshochschule
Zum zweiten Mal
in diesem Jahr hat die Ulmer Volkshochschule einen Preis erhalten.
„So einen Preis kriegt man nicht jeden Tag“, sagt Lothar Heusohn. Stimmt!
Er holt die Preise nicht täglich ab, im Halb-Jahres-Rhythmus reicht auch schon.
Im Mai hatte die Ulmer vh einen Preis von der EU für ein Projekt mit geistig
behinderten Menschen („Englisch ohne Grenzen“) erhalten, dieser Tage nun folgte
auf der Jahrestagung der nationalen Agentur „Bildung für Europa“ eine weitere
Auszeichnung – und zwar für für das Projekt „Gemeinsam! Aktive
Bürgerbeteiligung für Menschen mit geistiger Behinderung“.
Prof. Reinhold Weiß, der den Preis in Bad Godesberg überreichte, hob in seiner
Laudatio auf die „sehr gute Konzeption und die fachwissenschaftlich fundierte
Grundlage sowie auf die hohe Praxisrelevanz“ des Projekts ab. Lothar Heusohn
kritisierte in seiner Dankesrede, dass Menschen mit geistiger Behinderung
vielfach noch „entmündigt und fremdbestimmt“ seien. Die Materialsammlung soll
diesen Menschen „Mut, Lust und Spaß machen, sich einzumischen“.
Südwest Presse Ulm vom 20. Mai 2009
Rudi Kübler
Selbstbestimmung ermöglichen
EU-Projekt der vh Ulm für und mit Menschen mit Behinderung
Mitbestimmen und entscheiden - das wollen auch Menschen mit Behinderung. Ein EU-Projekt der vh Ulm erarbeitete ein Handbuch mit Kursmaterial.Ulm. Teilhabe verwirklichen, Gleichstellung durchsetzen, Selbstbestimmung ermöglichen. Oder anders ausgedrückt: "Behinderte Menschen haben die selben Menschenrechte wie alle anderen Bürger." Auf diesem Zitat aus der Deklaration des Europäischen Kongresses der Behinderten basiert das EU-Projket mit dem Titel "Gemeinsam", für das die vh Ulm als Koordinator den Zuschlag bekam - unter fast 400 Voranträgen, die europaweit gestellt worden waren. Ziel war, "Menschen mit Behinderung und Lernschwierigkeiten zu befähigen, selbst zu bestimmen", sagt vh-Mitarbeiter Lothar Heusohn.
Die Realität: Es wird für und über behinderte Menschen entschieden. Aus diesem Grund haben die Projektpartner - Bildungseinrichtungen aus Österreich, Niederlande, Rumänien, Spanien und Schweden - Menschen mit Behinderung von Anfang an in das Vorhaben eingebunden. Gemeinsam mit einer Beratergruppe, bestehend aus Fachkräften der Behindertenarbeit, mit Experten aus der Erwachsenenbildung sowie Eltern, "um unterschiedliche Blickwinkel zu erhalten", wie der Ulmer Heilpädagoge Franz Schweitzer vom Tannenhof sagt.
Entstanden ist ein Handbuch für Kurse und Seminare, "kein fertiges Produkt, sondern Materialien, die eine aktive Auseinandersetzung aus der Gruppe heraus ermöglichen", erklärt Heusohn, dem es wichtig ist zu betonen, dass die Arbeitsblätter "nichts Akademisches" haben. "Es fängt bei den eigenen Interessen an". Geht über die Entscheidungern der persönlichenArt hinaus auf Entscheidungen in der Gruppe und in der Kommune.
Info
Kontakt: Lothar Heusohn, Tel. (0731) 15 30 24, E-Mail: heusohn@vh-ulm.de
Südwest Presse Ulm vom 14. Mai 2009
Rudi Kübler
»And the winner is ...«
Englisch ohne Grenzen - die vh Ulm hat mit europäischen Partnern einen Sprachkurs für behinderte Menschen entwickelt. Das Projekt wurde jetzt von der EU ausgezeichnet: als "europäische Erfolgsgeschichte".
Ulm/Prag. Zuerst flatterte nur eine dürre Information ins Haus, dass das Projekt der Ulmer vh in einer EU-Broschüre präsentiert würde.
"Nicht schlecht", dachte sich vh-Mitarbeiter Lothar Heusohn, der das Projekt "Englisch ohne Grenzen" gemeinsam mit dem Ulmer Heilpädagogen und Kollegen von Bildungseinrichtungen aus Schweden, Österreich, den Niederlanden, England und Estland vorangetrieben hatte.
In dreijähriger Arbeit hatte das Team einen umfassenden Englisch-Kurs für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder Lernschwierigkeiten erarbeitet: mit Lehrmethode, Lehrplan, einer DVD sowie einem Wörterbuch. Das Projekt war eine Erfolgsgeschichte, weil es aufgrund seiner Praxisnähe oft von Bildungseinrichtungen nachgefragt wurde.
Jetzt sollte das Projekt in der EU-Broschüre vorgestellt werden. Der passende Titel: "Kreativität und Innovation - Europäische Erfolgsgeschichten".
Es sollte aber noch besser kommen. Plötzlich hieß es, die besten drei Projekte würden in Prag anlässlich einer europäischen Konferenz ausgezeichnet - und die Ulmer sollten doch bitteschön mit den Koordinatoren aus Schweden bei der Preisverleigung anwesend sein.
"Wo das alles enden würde, ahnten wir nicht". Es kam, wie es kommen musste: Die Preisverleihung endete damit, dass sich Heusohn auf der Bühne wiederfand. "Es war wie bei einer Oscar-Verleihung, and the winner is ...", sagt Heusohn, der die Auszeichnung von EU-Kommissar für Bildung und Kultur, Jan Figel, und dem tschechischen Bildungsminiaster Ondrej Liska entgegennahm. Ruhm und Ehre also für das Projekt, an dem noch andere Ulmer beteiligt waren: Lehrererinnen der Gustav-Werner-Schule beispielsweise, die im Unterricht die Lektionen durchgearbeitet hatten. Oder auch der Designer Roger Wakl, der für die einheitliche Gestaltung gesorgt hatte. Letzlich aber sei der Preis eine Anerkennung für einen wichtigen Bereich, sagt Lothar Heusohn, "dass nämlich die Forderung nach Bildung für alle auch für Menschen mit Behinderung gilt".
Südwest Presse Ulm vom 4. Juni 2008
Rudi Kübler
Wot wud juu laik tu iit - bred or käik?
EU-Projekt: Englisch für geistig Behinderte
English without frontiers - so heißt das EU-Projekt, an dem die Volkshochschule Ulm beteiligt war.
Das ehrgeizige Ziel: ein Curriculum für Englisch-Kurse mit geistig Behinderten zu entwickeln.
Ganz am Ende des Projekts, nach 2 Jahren, waren 492 Seiten Papier produziert. Ein umfassender Lehrplan mit Methoden und Materialien für Kursleiter erstellt, eine DVD mit Videoclips zu jedem Kapitel bespielt. Ein Wörterbuch mit einem überschaubaren Grundwortschatz von 250 Wörtern und einfachen Sätzen angefertigt. Ganz am Ende des Projekts waren auch alle Beteiligten am Ende - mit den Nerven. Weil am Schluss die Zeit drängte, wie Lothar Heusohn von der Ulmer vh sagt. Doch der Stress hat sich gelohnt, "das Ding ist irre gut geworden".
Das Ding: ein Curriculum, das in seiner Art wohl einzigartig ist. Denn Englisch-Lehrpläne für geistig behinderte Erwachsene oder Menschen mit Lernbehinderungen sind rar gesät. "Einen solchen Lehrplan zu entwickeln, ist unter kommerziellen Aspekten uninteressant", weiß Heusohn, der sich gemeinsam mit dem Ulmer Heilpädagogen Franz Schweitzer seit 10 Jahren um diesen Personenkreis kümmert - in der Sommerschule. Diese Einrichtung hat sich im Rahmen der Volkshochschule den Anspruch, Weiterbildung für alle, also auch für geistig Behinderte anzubieten, auf die Fahnen geschrieben. Insofern waren die beiden Ulmer prädestiniert für das EU-Projekt "English without frontiers", das im Oktober 2005 an den Start ging - nicht ohne zuvor ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen zu haben. 63 Anträge waren gestellt worden. 13 Projekte wurden schließlich bewilligt, "was auch etwas über die Qualität unserer Konzeption aussagt". Nämlich eine Methodik zu entwickeln, wie man Menschen mit Behinderungen eine Fremdsprache vermitteln kann. Und wie sieht die aus? "Es ist die Methodik der kleinen Schritte", erklärt Heusohn, der mit Kollegen von Bildungseinrichtungen aus Schweden, Estland, Niederlande, Österreich und England zusammengearbeitet hat. Und ohne die Unterstützung der Gustav-Werner-Schule, die 2 Lehrerinnen für die Pilotkurse im Rahmen der Sommerschule abgestellt hat, wäre er wohl aufgeschmissen gewesen. Stichworte lauten: viele Wiederholungen, Orientierung am Alltag, spielerische Elemente. Viel Wert wird auf die mündliche Vermittlung gelegt; um die Sprache anschaulich und über Personen greifbar zu machen stehen die Videoclips mit den Dialogen zwischen Mike und Jill im Mittelpunkt des zehnteiligen Kurses, der praxisnahe Themen aufgreift, wie Franz Schweitzer sagt. Themen wie: May Friends, My Hobbies oder Going on Holiday. Heusohn spricht von einem "Lindenstraßeneffekt", nicht zuletzt, weil auch die Band "The Fantastics" immer wieder in den Videoclips auftritt.
Richtige Arbeit gemacht hat das Wörterbuch mit dem Kernvokabular - 25 pro Kurseinheit. Macht 250 insgesamt. In einer Lautschrift, die mit der offiziellen nichts zu tun hat, weil sie die Zielgruppe überfordern würde. "Also haben wir eine eigene Lautschrift geschaffen, die leicht zu lesen ist", sagt Heusohn. Beispiel: Kän ai häw de bill pliis? Die Rechnung für das Projekt zahlt übrigens die EU, die alles in allem 365 000 Euro auf den Tisch legt.
Erste Abnehmer haben sich schon gefunden: Eine Bildungseinrichtung aus Ellwangen hat die Kursmaterialien bereits gekauft, andere haben nachgefragt.
Info
Lothar Heusohn von der vh Ulm ist erreichbar unter Tel. (0731) 15 30 24.
Weitere Infos unter www.englishwithoutfrontiers.eu